Universum ORF2 20:15 Dienstag 26.11.2013

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Joa
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Universum ORF2 20:15 Dienstag 26.11.2013

Beitragvon Joa » Fr 22. Nov 2013, 10:40

Nockberge – Land zwischen Himmel und Erde

Es ist eine Landschaft, sanft und weich, ohne bizarre Grate und steile Flanken, und doch ist sie ein Herzstück der Alpen – mit Gipfeln weit über 2.000 Meter, viele Wochen im Jahr über den Wolken. Ob Mirnock, Klomnock oder Tschiernock, ob Kamplnock, Rosennock oder Rinsennock, ob ein Dutzend weiterer Nocken – der Biosphärenpark Nockberge ist ein außergewöhnliches Stück Österreich, eine uralte Kulturlandschaft, die durch ihre Artenvielfalt Lebensraum einer besonderen Tierwelt ist.

Tierparadies "Nocky Mountains"

Die Nocken, die riesigen Gipfelkuppen der Nockberge, bis oben reichlich mit Gras und Kräutern bewachsen, sind eine Seltenheit im Alpenraum. Die Alpen selbst gelten als junges Gebirge, aber hier wurde bei der Gebirgsfaltung eine gewaltige Urgesteinsmasse an die Erdoberfläche gedrückt, kristallines Gestein aus Schiefer und Gneis. Das war vor 300 Millionen Jahren; heute ist es ein nährstoffreicher Boden für die vielfältige Pflanzenwelt dieses Gebirges. Nur an wenigen Stellen werden die sanften Landschaften von scharfem Fels zerrissen, schroffe Kare zeichnen dort ein markantes Profil in die Landschaft: Ein helles Kalkband durchschneidet die Nockberge von Norden nach Süden.

Wenn im Frühjahr die Sonne an Kraft zunimmt, und der Schnee nass und weich wird, kriechen die kleinen Bergmolche aus ihren frostsicheren Erdlöchern. Sie tapsen über die Schneefelder zu den ersten eisfreien Wasserflächen und Tümpeln, um sich dort zu paaren und zu laichen. Der Steinadler durchsucht die Felswände nach Beute. Sein Flug ist lautlos, oft bleibt er vollkommen unbemerkt. Verschlafene Murmeltiere, von den ersten warmen Sonnenstrahlen aus dem Winterschlaf geweckt, sind an diesen Tagen leichter Fang. Kurz und intensiv ist der Frühling in den Nockbergen. Die leuchtenden Blüten von Enzian, Kuhschelle oder Alpenglöckchen sorgen für eine Fülle an frischen Farben. Das besondere Klima – hier treffen feucht-milde Strömungen vom Süden und kalte Fronten aus dem Norden aufeinander – und der reichhaltige Boden der Nockberge begünstigen die große Artenvielfalt. Typisch für die offenen Schieferfluren der Gipfelkuppen ist ein seltenes Kraut: das Wulfens Mannsschild. Diese ungewöhnliche Primelart bevorzugt kalkarme Böden und ist fast ausschließlich auf den Nockbergen zu finden.

Doch es gibt hier noch eine andere Pflanzenrarität: Die immergrüne Zirbe (eigentlich Zirbelkiefer) hat erst in den vergangenen Jahren wieder an Bedeutung gewonnen. In den Nockbergen wurden schon vor 100 Jahren ganze Almhütten aus Zirbenholz gezimmert, inklusive Einrichtung und Ausstattung: So schnitzten sich die Almhirten ihre Brottöpfe mit Vorliebe aus Zirbenholz – die ätherischen Öle des rötlichen Holzes schützen das Brot vor Schimmelbefall. Vielfach wurden auch die Schlafpölster mit Zirbenspänen gefüllt, so wie auch heute wieder. Das duftende Holz gilt als Garant für ruhigen und erholsamen Schlaf. Ebenfalls wieder entdeckt sind die Samen der Zirbe, sie sind eine schmackhafte Beigabe zu bodenständigen Bäckereien. Der Mensch hat dabei allerdings einen sehr geschickten Nahrungskonkurrenten, den Tannenhäher. Er versteckt die Zirbensamen und legt sich üppige Winterdepots an, sobald die Zirbenzapfen im August reif werden. Flink bearbeitet er die Zapfen mit dem Schnabel, um an die Kerne zu kommen und sie in die verstreuten Depots zu bringen. Nicht alle Verstecke findet er später wieder. In den Depots mit weichem Untergrund entwickeln sich dann neue Sämlinge, deren mächtige Wurzeln später oft auch große Steine und Felsblöcke umschließen. Diese sogenannte „Versteckausbreitung“ sichert den Bestand der Zirbenwälder in den Nockbergen.

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Herausforderung für Naturfilmer

Über längst vergessenen Bergstürzen wachsen in den etwas tieferen Lagen dunkle Fichtenblockwälder. Sie sind das Reich des Auerhahns, der auch das Symboltier des Biosphärenparks Nockberge ist. Sein glucksender Balzgesang ist seinen Hennen – und nur ganz wenigen Menschen – vorbehalten. Wie viele andere Wildtiere ist auch er ein Waldgeist, der den Rest des Jahres nahezu unsichtbar sein wird. Auch ihn hat das „Universum“-Team ausfindig gemacht und bei seinem Balzverhalten gefilmt.

An Sommerabenden ist das Licht in den Bergen warm, voller Kräuterpartikel ist dann die duftende Abendluft. Die Höhenlage der Nockberge ermöglicht an klaren Tagen eine außergewöhnlich gute Fernsicht, zur großen Freude der Bergwanderer/innen. Naturfilmer/innen haben an solchen Tagen – wider Erwarten – gemischte Gefühle, denn den Kolkraben, die ständig die gesamte Region abfliegen, entgeht dann kein Tarnzelt – sei es auch noch so perfekt abgedeckt. Haben die Tierfilmer sehr viel Glück, dann erscheint den Raben das Zelt als harmlos und sie ziehen irgendwann wieder ab. Doch steht es im Bereich eines Futterplatzes, sind die Kameraleute auf verlorenem Posten: Denn dann fliegen sie mit lautem Geschrei und Gezeter ums Zelt. Dreharbeiten sind demzufolge unmöglich und selbst geduldiges Abwarten ist sinnlos. Wenn überdies auch noch die Murmeltiere immer lauter und aufgeregter pfeifen, dauert es nicht lange und die Tannenhäher schließen sich der Aufregung an. Ihre unverwechselbaren Warnrufe sind weithin hörbar. Die Jäger der Region nennen sie wenig freundschaftlich „Verräter“, da sie nicht nur die Artgenossen, sondern auch das Rotwild alarmieren. Kaum nehmen die Hirsche die Rufe der Tannenhäher in ihrer Nähe wahr, flüchtet das ganze Rudel, sämtliche Gämsen und Rehe natürlich auch. An die Touristenströme auf der Nockbergstraße haben sich die Wildtiere längst gewöhnt. Wer aber die Straße verlässt, auf den wird die Tierwelt aufmerksam. Dann greift das Warnsystem der Wildtier-Community.

Die Nockberge erstrecken sich über Kärnten, Salzburg und Steiermark und sind Teil der Gurktaler Alpen. In dieser Gegend ist die Bezeichnung Nock für „Kuppe“ gängig, bis zu 2.400 Meter erreichen die höchsten Nocken (der Eisenhut, mit 2.441 Metern der höchste, liegt in der Steiermark). Die milden Sommertage sollen nicht täuschen: Das Klima ist rau, den ersten Schnee kann es schon Ende August geben. Sind die Lebensbedingungen für Wildtiere hier im Sommer fast perfekt, ändert sich das mit Winterbeginn sehr schnell. Dann fegen eiskalte Windböen über die Gipfelkuppen und festgepresster Schnee, Eis und Bruchharsch überziehen die sonst so üppigen Almwiesen. Allerdings zieht sich das Leben nicht ganz von den Nocken zurück: Schneehuhn und Schneehase finden immer noch genügend Nahrung auf den vom Wind freigeblasenen Flächen. Sie werden auch im Winter hier oben bleiben. Nicht so die Hirsche, sie wechseln hinunter ins Tal. Dort ist die Futtersuche nicht so aussichtslos – und der Mensch hilft mit Futterstellen kräftig nach.

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Auerhahn als Symbol der Schutzlandschaft

„Nachhelfen“ mussten die Menschen der Nockberge auch bei den Dreharbeiten. Produzent Lukas Kogler erinnert sich: „Bei einem Dreh unter dem Stangennock blieb unser geländegängiges Auto im Schlamm stecken – null Chancen den Wagen rauszukriegen, er grub sich immer tiefer ein. Es dauerte nicht lang, da tauchte ein Forstarbeiter aus dem Wald auf – er hatte unsere Misere bemerkt. Spontan holte er seinen 'Harvester', ein massives Erntegerät für die Forstarbeit, und zog uns raus!“ Wenige Tage später filmte Kameramann Johannes Pötscher Murmeltiere. Plötzlich bemerkt er, dass es zwischen seinen Füßen krabbelt: Zwei Kreuzottern kriechen aus einer kleinen Steinhöhle heraus – vollkommen entspannt. Entspannt ist der Kameramann in diesem Moment nicht mehr, doch nach dem ersten Schreck entschließt er sich, die Kreuzottern zu filmen. Sie bleiben von den Dreharbeiten völlig unbeeindruckt und Johannes Pötscher kann eine der beeindruckendsten Tiersequenzen des Films drehen.

Seit sich im Dezember 1980 ganze 94 Prozent der Kärntner Bevölkerung für den Schutz dieser einzigartigen Naturlandschaft ausgesprochen haben und die Nockberge erst Nationalpark waren und nun Biosphärenpark sind, ist der Auerhahn Symbol dieser Schutzlandschaft. Für Wanderer gibt es ein Netz von moderaten und gut markierten Wanderwegen. Aber auch Autofahrer/innen sind aus den Nockbergen nicht ausgesperrt: Die 35 Kilometer lange Nockalmstraße zwischen Innerkrems und Ebene Reichenau gilt als eine der schönsten Alpenstraßen Österreichs.
Regisseurin Waltraud Paschinger: „Was mich in den Nockbergen besonders beeindruckt hat, ist, dass hier Landwirtschaft, Tourismus und Natur direkt nebeneinander funktionieren. Die vielfältige Tierwelt, das Spiel zwischen den Tierarten hat mir sehr imponiert – ebenso wie die spannenden Lichtstimmungen mit faszinierenden Sonnenaufgängen und -untergängen“.

Produzent Lukas Kogler (dreiD.at): „Je mehr ich über die Nockberge nachdenke, je mehr Zeit ich dort verbringe, desto klarer wird mir, dass es sich hier um eine, im gesamten Alpenraum einzigartige und unvergleichliche Landschaft handelt. Sie erinnert mich immer wieder an eine überdimensionale Parklandschaft, einladend, überschaubar und dennoch mit einer unglaublichen Vielfalt in jeder Hinsicht ausgestattet.“

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Die Sendung ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand abrufbar. Quelle
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Wir müssen alle sterben, mit oder ohne Corona! :allgood:

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